Tue, 12 Jun 2007 18:32:21 +0200 (CEST)



Saldikis,
das in Dubai so ziemlich jeder Architekt unter Größenwahn leidet ist ja mittlerweile nichts Neues. (BASTI – scheiss auf Vancouver!!!) Bevor ich mich in die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten aufgemacht habe, flimmerte so ziemlich jede Woche mindestens ein Bericht über jene Attraktivitäten, welche diese Stadt rein architektonisch immens prägen. Grund genug also mal ein wenig genauer auf ein paar herausragende „Mega-City-Projects“ einzugehen und Euch den Stand der Dinge zu vermitteln.
Bevor ich aber in die Unweiten des menschlich Möglichen aufbreche sei noch kurz ein kleiner Freudenschrei erlaubt:
ICH BIN OFFIZIELLER MITARBEITER (Senior Events Executive) BEI VIBE MIDDLE EAST!!!
Meine Anstrengungen und Fleiß in all den letzten Wochen haben sich bezahlt gemacht und so bot mir mein Chef gestern Abend ganz unauffällig, fast heimlich, einen gut proportionierten Arbeitsvertrag + Residence Visa + Krankenversicherung an und meiner Wenigkeit fiel echt ein Stein vom Herzen. Über Geld soll man ja bekanntlich nicht sprechen, aber soviel sei gesagt – es ist mein erstes 5-stelliges Gehalt (wenn auch nur in Dirham…)!
Ist jetzt nicht so herausragend – aber vergisst bitte nicht, dass ich nicht mal eine FILS (Cent) an Steuern zu zahlen habe – ERGO – alles fließt zu 100% in meine Tasche. Da macht arbeiten doch echt wieder Spaß!!!
Da mein Wochenende ja eigentlich fast nur aus 12h Freitag und 24h Samstag besteht (freitagabends ist DEEP Nights @ Trilogy wo ich mich mittlerweile um den DJ, die Flyer girls und fast das gesamte Marketing zu kümmern habe), beschloss ich an jenem vollen freien Tage mir mal das Mammut-Projekt PALM JUMEIRAH genauer zu betrachten.
Wie üblich war keine Wolke weit und breit am Himmel zu sehen und da von meiner Deutschen Clique entweder jeder arbeiten musste, bzw. einer mit’m MTB völlig paranoid in 4 Tagen durch die Alpen radelt (so was kann auch nur ein viel zu reicher und adrenalinsüchtiger Web-Designer bringen!!!) schwang ich mich auf mein Drahtesel und beschloss das sog. 8. Weltwunder einfach mal per Rad zu erkunden. Da soviel Schwachsinn auch nur einen ausgewanderten Event Manager zuzutrauen ist, erregte ich doch ein wenig Aufsehen bei all den Security Guards, die so ziemlich an jeder Ecke standen und bei 47° C im Schatten die Autos kontrollieren mussten. Mich haben sie einfach nur durchfahren lassen mit einem Blick, als hätten sie in ihrem Leben noch nie ein Fahrradfahrer gesehen.
Von der Küste betrachtet ist diese Megabaustelle recht unspektakulär, nur sobald man auf der eigens gebauten Autobahn in Richtung Palmenkranz radelt, dann erkennt man erstmal diese gigantischen Dimensionen und es verwundert einen nicht, dass dieses Bauswerk sogar vom Orbit erkennbar ist. Zwar stehen bis dato nur die Hälfte der Gebäude, aber die nahezu geisteskranken Absichten sind bereits erkennbar. Da ist zu einem der neue Trumptower – welcher der Palme Ihr architektonisches Gesicht geben wird. Sieht auf dem Reisbrett aus wie ein halbverzogener Fingernagel gezeichnet von einem Volljunkie auf Crack & Ecstasy.
Des Weiteren erkennt man an der Spitze bereits das fast fertig gestellt ATLANTIS, welches einmal den größten Wasservergnügungspark der Welt beherbergen wird. Geplant sind sogar eigene Haifischseen, wo die Besucher per Wasserrutschen praktisch unterirdisch in unmittelbarer Nähe zu den Predators durch den Park flitzen und auf Ihrer Reise eine eigens imitierte Meereslandschaft a la Seychellen & Rotes Meer genießen dürfen.
Also jede Menge abgefahrener Ideen werden nach und nach Wirklichkeit und es scheint an Kapital nicht zu mangeln. Selbst das wahnwitzigste aller Projekte – um die Palmenwendel herum die 12 größten Meeresräume der Welt künstlich zu erschaffen – ist nicht mehr Hirngespenst, sondern zu einem ernsthaften Vorhaben geworden. Das wohl stärkste Gerücht ist aber, das rund um die Palme absichtlich Gold & Schmuck versenkt werden soll, damit der Tauchtourismus auch so richtig blüht! Klingt eigentlich eher nach einem zufällig mitgeschnittenen Zeugnis einer schwer durchkifften Nacht von ein paar Scheichs, die mal wieder nicht wussten wo hin mit ihrer ganzen Kohle – aber glaubt mir, seit dem ich hier bin und sehe, wozu die Menschen im Stande sind zu schaffen, habe ich vor nichts mehr bedenken.
Allein den Tatsache bald den höchsten Turm der Welt fertig zu stellen, zwei weitere (doppelt bis dreifach so große) Palmen zu erschaffen und die komplette Welt knappe 20 km vor der Küste durch über 200 Inseln zu imitieren läst glaube ich keine Fragen mehr offen –
DUBAI IS WHAT’S HAPPENING!!!
Das was damals den Elan und Aufschwung in New York zum Anlass gegeben hat, zu einer der renommiertesten und internationalsten Städte der Welt zu werden – dieselbe Motivation und Aufbruchsstimmung sieht man hier jeden Tag in den Gesichtern der vielen Menschen aus allen Teilen der Welt. Der prozentuale Anteil von ausländischen Arbeitskräften beträgt hier über 80% und ohne die ganzen indischen und pakistanischen Hilfsarbeiter, wäre so eine Skyline in nur gerade mal 7 Jahren nie zu schaffen gewesen.
Mittlerweile hab ich mich aus meinem Nest in Flughafennähe verdrückt und residiere nunmehr am Strand in einem Gartenhaus. Nichts besonderes, aber dafür in einer Top-Gegend. Mein Weg zum Strand beträgt genau 87 Sekunden und vor allem hab ich keinen Stau mehr auf den Weg zu meiner Arbeit, da ich genau in der entgegengesetzten Richtung wohne!
Meine Australierin, mit der ich momentan rumtütel wohnt auch gleich um die Ecke und so kann ich mich nach einem harten Arbeitstag gemütlich auf der Velourcouch massieren lassen, während im 85“ Plasma vor mir die neusten Kinofilme ausgestrahlt werden. Ihre Mitbewohnerin ist ne nette Stewardess und Taucherin aus München und so bin ich in ganz guter Unterhaltung.
Momentan allerdings ist meine Gesundheit ein wenig angeschlagen, da ich vor ein paar Tagen bei meinem fast täglichen Jogginglauf um die Parks (man muss sich ja fit halten) ich mir doch leicht die Füße verbrannt habe (obwohl es Nacht war!!!) und ich seit heute morgen mit einer dick aufgeplatzten Blase am rechten Fuß zu kämpfen habe. Das hat mich doch gleich spontan an die Aktion in Guatemala erinnert, wo ich damals mit meinen Kindern den Vulkan del Agua hochgekrachselt bin und zum Schluss mich nur noch auf nacktem Fleisch den Berg wieder runter geschleppt habe.
Na ja – nachts ist es hier mittlerweile so feucht, dass man um Mitternacht im Meer schwimmen gehen kann und man wird gar nicht mehr trocken – das Wasser bleibt einfach auf der Haut, da die Poren konstant transpirieren. Ich bin nur froh, dass mein Wagen (Mitsubishi Lancer) eine funktionierende Klimaanlage besitzt – ohne die wäre ich schon gegrillt und vertrocknet!
Soweit die Lage – hoffe, ich habe Euch mit all den Infos nicht überfordert und Glückwünsche nehm’ ich natürlich gerne entgegen!!!
Geniest alle einen wunderschönen Sommer in good old Germany und habt mindestens genauso viel Spaß am Leben wie meinereiner!
der jetzt am Strand Wohnende
P.S: Checkt mal www.dubainightplanner.com und www.dubailime.com – dann wisst Ihr immer was bei mir so gerade unterhaltungstechnisch am Start ist. Alles Events von DEEP Lounge, DEEP Nights und LIFE Festival sind jene Projekte, die ich mit betreue.














