Sat, 13 Jan 2007 17:01:09 +0100 (CET)



Kiff halak - saldikis!
Nachdem wir uns also alle im Jahre 2007 befinden und ihr alle hoffentlich einen angenehmen feucht froehlichen Rutsch genossen habt gilt es doch mal herauszufinden wer eigentlich auf der spannensten Party gewesen ist. Kollege Lutterbach hat sich alkoholtechnisch die Nacht im Annanuts verschoenert und Meister Hane fleissig bis 5 Uhr morgens wohl seine Nachbarn beim Poker abgezogen - jut Jungs, is'n Ordnung aber wer von Euch da draussen hat es denn so richtig schwer krachen lassen??? Der Autor wuerde sich gerne an einer besonderen, wenn nicht so gar einzigartigen Sylvesterstory erfreuen. Als kleiner Orientierungshilfe gibt's da jetzt mal sporalisch meine Erfahrung vom alten zum neuen Jahr aus dem "Dive now - work later" - Dahab (offizieller touristischer Slogan!)
Ordentlich gestaerkt wurde sich zuerst bei traditioneller aegyptischer Kueche bei der britischen Sportbar um die Ecke, wo bereits schon gegen 19. Uhr die ersten Alkoholleichen entgegenschwankten (Briten halt!) Meine Eldies waren ja auch noch mit von der Partie und nachdem der Sicherheitscheck erfolgreich ueberwunden wurde ging's dann auch endlich ins Restaurant, um von einer Armada unbeholfener aegyptischer Trotteln bewirtet zu werden. Der Eine vergass die Speisekarte sammt Inhalt, der Andere den eigentlichen Garderobenstaender und ein Weiterer wiederrum hat es nicht gebacken bekommen sich 5 einfache Eiskugeln zu merken!
Na ja - dat Essen war wenigstens O.K. und nachdem meine Eltern erfolgreich ins Auto gesetzt worden sind Richtung Coralia ging's auf zum aljaehrlichen Vorgluehen. So ziemlich jedes Hotel, Hostel oder auch einfache Absteige, welches etwas auf sich hieltm meinte den letzten Tag des Jahres die absolut perfekteste Sylvesterparty schmeissen zu wollen und dementsprechen warben die Flyerboys mit energischem Einsatz und versuchten mir gleich almoeglichen Mist an Infos in den Rucksack zu schmeissen. Ich wich aber gekonnt auf meinem Bike aus und steuerte erstmal ins "Rush", wo auch die meisten meiner Kollegen feierten - es war auch die einzig Party wo kein Eintritt verlangt worden ist.
Dort angekommen gegen 23 Uhr ging's schon gut zur Sache und ich bekamm gleich erstmal ein Bier in die Hand gedrueckt, welches mich spontan veranlasste mich sofort ein wenig zu entspannen und den Rest der Leute zu begruessen. Die Meisten hatten schon tierisch einen im Tee und der Alkohlpegel begann auch bei meiner Wenigkeit in kontinuierlichen Zuegen zu steigen. Die Menschen wurden immer gespraechsfreudiger und die geschossen Fotos dementsprechend immer lustiger. Um Punkt 12 Uhr kam das kulturelle Programm dann zum Hoehepunkt und eine eigens angeheuerte Russisch-Tuerkische Bauchtaenzerin versuesste uns Maennern dann mit Ihrem Anblick den frischen Start ins neue Jahr.
Also auch 2007 beginnt gleich wieder mit Bikinifischen....jut dachte ich mir geschmeidig in mein Bier grinsend und genoss meine Nacht wenn auch leider fern ab von Berlin, wohin doch ab und zu fuer ein paar Sekunden meine Gedanken hinwanderten. Nachdem der Bikinifisch dann abgerueckt ist gab's ncoh etliche Feuerjongleure, die Ihre amateurhaften Darbietungen zum Besten gaben. Nichts besonderes aber nett und puenklich um 4.30 Uhr war dann Schluss mit lustig - schliesslich musste ja wieder puenktlich das Morgengebet erschallen, vondem wohl sowieso keiner mehr was mitbekommen hatte.....
So - genug Kleinstadt! Wird mal Zeit endlich mal wieder was 'Groesseres' auszuprobieren - schliesslich muss ja mal die allgemeine politische These getestet werden, dass Grossstaedte ab 15 Million Einwohner mehr durch ordentliches Chaos als durch chaotische Ordnung beherrscht werden. Deswegen ging's jetzt mal ab in Richtung Kairo, um zu sehen, ob an dieser These was dran ist und gleichzeitig auch mal herauszufinden woher die stets notorisch angefaulten Tomaten von meinen Obst- und Gemuesedealer meines Vertrauens eigentlich so herkommen.
Der Trip begann spaet... Gegen 23 Uhr sollte ein eigener Wagen uns abholen mit - bis dato erwaehnt - wenig Insassen, welcher uns fuer umgerechnet 20 Euro nach Kairo befoerdern sollte. Die Fahrt war auf 6 Stunden angesetzt und das Hotel sollte sich im Herzen Kairos befinden. Nachdem der Fahrer dann kurz vor Mitternacht endlich aus Tasche kam und uns abholte war der Hyundai Starex bereits schon mit 6 Leuten bespickt und wir dienten anscheinend nur noch Ausgleichgewichte...
Wahrhaft jedes bisschen Platz wurde irgenwie verwertet, inklusive Dachgepaecktraeger, auf dem sich alleine 5 Koffer stapelten und leicht gedrueckt wie eine Maltheser Presswurst ging es dann auch Richtung Megacity. Es dauerte dann auch 7 Stunden, und bedurfte 6 Polizeikontrollen plus eines Zwischenstops zwecks spontanen Erbrechens meiner Beifahrerin (die durch Zufall auch meine Freundin war...;-)) bis wir im Morgengrauen das Hotel im Stadtzentrum erreichten und mehr als erleichtert waren endlich ins Bett fallen zu duerfen. Zwar war es bitterkalt (ca. 5 Grad) und Heizung war ja obligatorisch nicht vorhanden, aber der Nachtportier, welcher auf Pappe auf'm Boden schlief, reichte uns noch ein paar Wolldecken und wir konnten uns wenigstens warm in den Schlaf kuscheln.
Der Tag selber wurde dann auch konsequent verschlafen und erst gegen 17 Uhr waren wir wieder fit genug, um dass Umfeld ein wenig auszukuntschaften. Kairo ist wahrlich eine brachiale Stadt: 17 Million Einwohner + 3.5 Million Pendler, welche taeglich morgens in die Stadt und abends ebenso wieder raus wollen. Anderes gesagt koennte man sich auch vorstellen, dass eine Stadt wie Berlin taeglich neue Einwohner bekommt und zwar alle auf einen Schlag!!!!
Mit dieser Info im Hinterkopf freute ich mich schon auf die verkehrstechnischen Zustaende und ich wurde nicht enttaeuscht....; die Aegypter fahren so chaotisch, dagegen sind die Pariser ein Haufen verklemmter Standstreifenfahrer!!! Noch nie zuvor in meinem ganzen Leben hab' ich soviel konzentriertes Chaos auf nur 2 Fahrbahnen erleben duerfen. Selbst die Latainamerikaner fahren zivilisierter als die "wannebe-Pharaonen" im Kairo des 21. Jhd.
Weil sich ja sowieso niemand danach richtig hat der Verkehrsminister wohl gleich saemtliche Ampeln ausgelassen und so galt halt das Recht des staerkeren, bzw. des besser gepanzerten Verkehrsmittel und ich halt es immernoch fuer ein Wunder, dass wir in den 3 Tagen Betonjungel weder angefahren noch ueberfahren worden sind!!! Geplant war zuerst sich einen eigenen Wagen zu mieten und so auf eigene Faust die Pyramiden, den Nil und die Sphinx zu erkundschaften, aber es war wohl die erste weise Entscheidung zu Beginn dieses Jahres sich lieber einen privaten Fahrer sammt Guide zu organisieren, welcher einen dann auch zu den besten Hotspots bringt.
Sein Wissen war dann gleich auch so effizient, dass wir zuvor ins Aegyptische Wissenschaftsinstitut fuhren und ohne Ueberpruefung mal eben so einen internationalen Studentenausweis bekamen, auf dem es fuer saemtliche touristische Aktivitaeten 50% Rabatt gab! Meine Wenigkeit war aber leider schon altersmaessig zu weit fortgeschritten und wurde so kurzerhand gleich zum "international Teacher" befoerdert. Seit dem Tag bin nun offiziell in Aegypten als Assistenz-Referent fuer Aegyptologie an der FU-Berlin registriert und weillte natuerlich sofort meines Amtes und zeigte meiner "Studentin Alexandra" alle wissenwerte Bereiche zum Thema Pyramidenanalyse & Papyrus-Prophylaxe!
Es war ein sehr lustiger Tag - auch wenn ich ein wenig von der Sphinx enttaeuscht war - schliesslich gilt sie mit als Wahrzeichens Aegyptens, aber ist in Realitaet nur ein billiger Steinklotz, welcher notorisch von Blitzlicht-knipsenden Japsen abgelichtet wurde....
Na ja - man hat es halt mal gesehen. Die restlichen Tage galten noch der Bewunderung des Nils und des aegyptischen Museums, welches ueber eine beachtliche Zahl von antiken Sagophagen verfuegte. Mein Respekt gegenueber der aegyptischen Polizei erlangte nebenbei auch ein neues Rekordtief, da naemlich insgesamt ueber 35 nur abstylende arabische Spinner mit Metalldektoren, Ueberwachungskameras und sogar Flughafenschleusen nicht in der Lage waren mein unbeabsichtigtes mitgeschwuggeltes Messer im Rucksack zu identifizieren - soviel soviel zum Thema qualitative aegyptische Sicherheitspolitik. Kein Wunder, warum die Anschlaege in Dahab und Sharm-el Sheikh ueberhaupt passieren konnten.
Suma sumarum kann ich Euch also sagen: Kairo lohnt sich definitv mal gesehen zu haben, aber spaetestens nach 3 Tagen werdet Ihr alle so die Schnauze voll haben, dass Ihr Euch wieder nach einen so angenehmen ruhigen und entspannten Ort wie Dahab sehnt!!!
In diesem Sinne - fuer alle ein erfolgreiches und hoffentlich fruiedliches neues Jahr und vergesst nicht mir die Sylvesterstories zu schreiben - und zwar mit Bildern!!!
En Shalah badim
Stefan
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