Mon, 2 Oct 2006 21:25:55 +0200 (CEST)
Salam,salam
Salam,salam
SOOO - neue Woche, neue Mail.....
Langsam aber sicher habe ich mich hier so einigermassen ans Klima angepasst. Die Naechte sind fuer Berliner Verhaeltnisse zwar immernoch "muy caliente", aber dafuer habe ich meine Wasserhaushalt endlich im Griff! Durchschnittlich 6 Liter sind es bisweilen und dank des intensiven Tauchsportes geht pro Session mindestens noch ein halber Liter zusaetzlich drauf.
Das Wochende verlief anfangs relativ gediegen. Nach ueber einer Woche auf knappen 12 qm war es nun definitv an der Zeit die naechstgroessere Bleibe ausfindig zu machen. Insbesondere das Beduerfnis nach einem EIGENEN Badezimmer mit EIGENEM Klo und EIGENER Dusche liess mich doch recht kreative Wege einschlagen.
Zuerst wurden die frisch geknueppften Verbindungen durchgecheckt - klang am Anfang recht vielversprechend, entpuppte sich jedoch spaeter als Rohrkreppierer. In Punkto Zuverlaessigkeit und vorallem Puenktlichkeit stehen die Aegypter in unmittlerbarer Konkurrenz zu den Latinos - alles dauert solange wie es halt dauert - da kann es auch schon mal passieren, dass man Samstag abend mit einem "Landlord" verabredet zu glauben scheint, aber dieser zieht sich lieber noch 'ne 7. Shicha rein und chillt weiter im Beduinenzelt.........
Der zweite Kollege, der mir 'ne Wohnung verchecken wollte kam zwar puenktlich und war sehr zuvorkommend, allerdings entsprach die Behausung wohl eher einer lokalen Opiumhoehle mit staendig bloeckenden Kamelen als Nachbarn, anstatt einer eines angehenden Divemaster wuerdigen Absteige.
Letztendes hab ich mich doch beim Arbeitskollegen in selben Haus einquartiert, inmitten der "neu"designten, irgendwann mal fertig werdenden Fussgaengerzone, wo ich endlich meine eigenen 4 Waende habe und zudem sogar noch ueber einen Waschservices und Deutsches Fernsehn(!) verfuege (ja ja - Hertha fuehrte beim letzten Male mit 2:1)
Mein Arabisch hat sich dank Kamal und Jamal (Basti,Yvi: nicht der NN!) mittlerweile auf die Zahlen von 1 - 1.000.000 vertieft und die ganzen Betonungsuebungen, die so klingen, als haette man notorisch ne Nussschale verschluckt kommen auch voran.
Eine recht ungewohnte kulturelle Eigenschaft ist wohl die Wahl des Taxis. Es gibt die offiziellen Taxen mit komplett nicht vorhandenen Standard wie: kein Radio, keine Klimaanlage und teilweise auch kein Dach - jedoch ist der Bedarf an Mobilitaet bei den Touristen so gestiegen, dass selbst private Fahrer regelmaessig ihre Autos als Ersatztaxi anbieten. Hat den Vorteil, dass man bei Bedarf maximal 1 Minute am Strassenrand verharren muss, bis man eine solche Mitfahrgelegenheit angeboten bekommt. Nervigerweise bekommt man dieselben zwielichtigen Angebote, wenn man auch nur mal eine Minute lang an Ort und Stelle verharrt, um sich an seiner staendig anwesenden Wasserflasche zu ergoetzen!!! Jegliche Vokabeln, denen es bedarf, um jene laestigen "Zwischendurch-Chauffeure" loszuwerden, hab' ich mir bis jetzt wohl am schnellsten angeeignet!!!
Sonntag, 1. Oktober 2006 - Beginn des Divemaster Progammes
Endlich geht's los. Meine Sachen sind vom rustikalen Backpacker an der Strandmeile seit heute im nobelem ***** Hilton Dahab Resort gelandet und gleich am ersten Tag ging's auch schon voll zur Sache. Mein neuer Instructor heisst Johan - ist Holaender und traegt ein Grinsen im Gesicht, wie die eines alt-eingesessenen mittlerweile in Rente gegangenen Coffee-Shop Besitzers aus Amsterdam! Er ist nebenbei auch der leibliche Vater von Vivienne, die mein Couching zum EFR (Emergancy First Response) taetigte, d.h. wir verstanden uns auf Anhieb.
Mein Kursmitstreiter und "Buddy" James ist waschechter Schottlaender und hauptberuflich als Marine (!) taetig. Bei einem derartigen hohen Sicherheitslevel, welcher mich wohl selten umgab, kann ja nun wohl nichts mehr schief gehen!
Neben einer Menge Papierkram und meiner neuen Leselektuere von 3 Buechern (Divemaster Manual, praktische Uebungen und die Enzyklopaedie des Tauchens -Suma Sumarum 480 Seiten total) sind meine naechsten Wochen wohl aufs erste verplant! Freudige Nebenerscheinung dabei ist allerdings mein Arbeitsvertrag und eine schriftliche Zusicherung von anfangs knappen 1000 Aegyptischen Pfund, die fast vollstaendig meine Ausgaben fuer Unterkunft und Verpflegung decken werden.
Das Divemaster-Programm beinhaltet neben theoretischen und praktischen Kenntnissen und Erfahrungen auch fitness-spezische Leistungsanforderungen. Diese "Staminas" wurden zur Feier des Tages gleich zuerst durchexerziert.
Es begann mit 400m Brustschwimmen im Meer bei Wellengang und Gegenwind, gefolgt von 15 Minuten Oberflaechentarrierung (ohne Mithilfe der Arme!) mit anschliessenden 2 minuetigen Arme aus dem Wasser halten.
War man dann einigermassen aufgewaermt ging es an die 800, schnorcheln ohne Neopren und Haende. Der kroenende Abschluss bestand zuguterletzt aus 100m Rettungsschleppen eines Tauchers und zwar in voller Montur!
Nun - es waere leicht untertrieben, wenn ich jetzt schreiben wuerde, dass meine Muskeln danach ein Pfeiffkonzert gegeben haben - vielmehr wurde wohl eher eine gesamt Oper vertont, aber ich habe es immerhin durchgezogen.
Abends bat der Manager (Tom Schwericke) uns (alle DGP Anwaerter) zu Tisch und die Stimmung war ausgelassen. Von allen Haeusern, die ich bis dato besichtigen durfte/musste, war sein Haus definitiv die Creme-de-la-Creme. Nicht zuletzt die optische Bar, geschnitzt aus einem einzigen 7 Meter langen Baumstamm oder der improvisierte Billardtisch weckte meine Aufmerksamkeit. Nach fast 2 Wochen alkoholischer Abstinenz hatte ich ein gekuehltes Heineken in der Hand und der Tag war gerettet. Vergessen waren all die Strapazen vom Vormittag, die kommenden 3 Stunden standen ganz im Zeichen von Hopfen und Malz......
Montag - 2. Oktober - selbes Jahr
Zu den herausragendsten Eigenschaften eines Divemaster zaehlt insbesondere die Faehigkeit erlernte Kenntnisse an Tauchschueler effektiv weitergeben zu koennen. Somit bestand der heutige Tag daraus 20 verschiedene Tauchuebungen in anstrebender Perfektion darzustellen bzw. auszuueben.
Diese waren unteranderem:
a. Wechsel Schnorchel - Lungenautomat, vice versa
b. Bleigewichtsanalyse
c. 5 Punkte des Ab- und Auftauchens
d. voelliger Schwebezustand im Wasser in 3 verschiedenen Ausfuehrungen
e. ablegen des Bleigurtes an der Oberflaeche und unter Wasser
f. komplettes Ablegen der Tauchausruestung an der Oberflaeche und unter Wasser
g. fluten der Tacherbrille, deren voellige loesen vom Kopf - 9m ohne Maske schwimmen und anschliessendes Auspusten der Maske und Re-Positionierung ueber Augen und Nase
h. Simulation von "Null-Sauerstoff"-Situationen mit anschliessendem Notaufstieg in 3 Varianten
i. Atmung bei atmungsabhaengigen und konstant fliessenden Ventilen sowie
j. gelegendlichen Aergern des Tauchpartners durch spontanes Luftabdrehen (keine Panik - wir befanden und nur in 2m Tiefe)
Falls noch'n paar Punkte fehlenen, dann gibt's die bei der naechsten Mail;-)
Morgen steht dann mein erster Nachttauchgang an und ich bin gespannt, ob ich mich als Fackeltraeger wuerdig erweisen werde!
Ansonsten bleibt mir nur zu sagen, dass ich es nicht bereue hierher gekommen zu sein und es ist bereits jetzt schon eine ungeheuere Bereicherung fuer mich die wahre Arabische Welt und deren Kulturen eins-zu-eins erleben zu duerfen. Vor meiner Abreise musste ich mir das eine oder andere Vorurteil von unterschiedlichen Leuten anhoeren und ich bin mehr als zufrieden persoenlich bestaetigen zu koennen, dass die Aegypter sehr zuvorkommende und freundliche Menschen sind, die zwar den Blick fuers Wesentliche nicht unter den Tisch kehren, aber andererseits auch hohen Wert auf Gastfreundlichkeit legen, von den hier Touristen, wie auch auslaendische Arbeitskraefte, wie meine Wenigkeit, stark profitieren und die extremen Lebensumstaende mehr als nur vertraeglich machen.
Shukran - awi
Euer Stefan
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