Mittwoch, 9. Mai 2007

Tec Diving

Thu, 2 Nov 2006 20:29:06 +0100 (CET)




Hallo Schlechtwetterverwöhnte!!!
November - was für ein schoener Monat!!! Insbesondere, weil ich am 8.11 mal wieder ein Jahr älter werde und ich mir deswegen ganz ganz ganz viele Mails von Euch aus good old Germany '"wünsche - allein um schon zu checken, wieviele von den mittlerweile 84 Adressaten immernoch meine Mails lesen!!!
Auch diesmal ist wieder seit der letzten Mail viel passiert und auch wert es in schriftlicher Form für die Ewigkeit zu erwähnen.

Nachdem ich endlich sämmtliche Pruefungen erfolgreich hinter mir gebracht habe, meine neue Mitbewohnerin mich tÄglich bekocht (Fruestueck sowie Abendessen) und ich eine Beduinin gefunden habe, die mir für gerade mal umgerechnet 2 Euro pro Woche sämtliche Klamotten wäscht und bügelt, war es definitv mal wieder an der Zeit meinen professionellen Dasein wieder mit neuen Herausforderungen zu belasten.
Zu meinem DGP-Programm zaehlt ja nicht nur die reine professionelle Divemasterausbildung, um letztenendes selbst bestimmte Kurse zu leiten und zusaetzlich als Diveguide zu fungieren, sondern auch der sehr spannende Einblick in die Moeglichkeiten eines Tec-Divers (uff jut Deutsch: Technischer Taucher)

Seit nunmehr knapp einer Woche habe ich nun verschaerft Einblick in die Thematik von Dekompressionstauchgaengen und mathematischen Notfallkalkulationen erhalten und darf mich seit genau heute "Advanced Nitrox Diver incl. Decompression Procedure" schimpfen!!!
Aber erstmal bekanntlich der Reihe nach und fuer diejenigen unter Euch, die sich jetzt gerade am Hinterkopf jucken und sich selbst mit einem grossen breiten "ÄHHH???" vorm Spiegelbild betrachten, den sei eine kleine Erlaeuterung gegönnt...
Das allgemeine Sporttauchen beschraengt sich im Allgemeinen auf eine maximale Tiefe von 40m mit einem Gastank und mindestens einem "Buddy" (also paarweises Tauchen). Beim Tec-Diving wird diese Grenze bewusst ueberschritten, jedoch bedarf es einer intensiveren thoeretischen wie auch praktischen Ausbildung, da sich in Tiefen jenseits von 40m die physikalischen und physischen Zustaende extremere Auswirkungen auf den menschlichen Organismus haben als in seichteren Tiefen.

Fuer alle Tauchwanabees und solche, die es noch werden moechten - hier eine kurze theoretische Einfuehrung, um die Relevanz von Gasdruck auf unseren Koerper besser zu verstehen:

Nitrox steht für nichts anderes als angereicherten Sauerstoff. Die uns umgebene Luft an der Oberfläche (1 Bar), welche wir taeglich atmen und zum Leben brauchen besteht zu 78% aus Stickstoff, 21% aus Sauerstoff, 0,97% Argon und zu 0,03% weiteren 12 Edelgasen. Vergessen wir mal spontanerweise diese 1% und erkennen einen bedeutenen Ueberschuss von Stickstoff in unser täglich atmenden Luft. Von diesen 21% Sauerstoff benötigt unser Organismus dann auch nur bescheidene 5%, um seine Vitalfunktionen aufrecht zu erhalten und ist so gesehen doch relativ anspruchslos.
Je tiefer man jedoch abtaucht desto groesser wird der Druck (10m-2bar; 20m-3bar; 30m-4bar; usw.). Durch den steigenden Partialdruck (Teildruck) steigt mit jedem tieferen Meter auch die Stickstoffanreicherung im Blut und unsere Gewebe koennen nur eine gewisse Sättigung (Anreicherung) vertragen, ohne nach dem Auftauchen davon Schaden zu nehmen (Stickstoffnarkose a.k.a Tiefenrausch oder sogar Dekompressionskrankheit)
Durch angereicherten Sauerstoff (Nitrox) wird das Verhältnis Sauerstoff/Stickstoff manipuliert und der Prozentsatz von Oxygen künstlich erhöht. Dadurch kann man bei tieferen Tauchgängen länger verweilen und allgemein gesagt länger und sicherer tauchen. Auch ist die Gefahr einer Stickstoffnarkose deutlich geringer, welche den Taucher in einen Zustand von völliger Euphorie bis hin zu starken körperlichen Beschwerden bringen kann.

Meine Wenigkeit hat jetzt also nun nicht mehr einen (Gas)Tank auf den Ruecken, sondern einen 2. Tank an der Seite, welcher über einen deutlich höheren Sauerstoffanteil verfügt, und so beim Aufsteigen deutlich schneller den Stickstoff in meinem Körper abbaut, als dies bei normaler Atemluft der Fall wäre. Interessant wird es dann auch diesen Extratank unter Wasser auzutarieren und nach wie vor im völligen Gleichgewicht dahinzuschwimmen. Ab einer bestimmten Tiefe wird dann vom sog. "Bottom-Mix"(Gasgemisch des Haupttankes auf dem Rücken) über ein 2. Mundstück am Extratank das Gasgemisch gewechselt und somit der Stickstoffabbau drastisch erhöht.

Klingt bis dahin alles recht unspektakulär, bis auf die Keinigkeit, dass man auf einmal 10kg mehr Schlagseite auf dem Weg ins Wasser hat und die meisten Touris einen nur planlos anstarren, warum zum Teufel der Kerl da mit seiner Gasflasche am Strand "Gassi geht".

Richtig interessant wird's es dann bei der 2. Vertiefung des Tec-Divings, den sog."Dekompressions-Prozeduren" - der bis dato Höhepunkt meiner Tauchfähigkeiten.
Seit nämlich nun 3 Tagen sind die Zeiten des Singletanks (Einzeltank) auf dem Rücken Geschichte und es geht mit einer speziellen Tauchjacke und 2 Aluminiumflaschen auf dem Rücken und einer an der Seite ins Wasser und man hat ein komplett neues Feeling von Tarierung und Schwimmtechnik. Mit nunmehr 3 Tanks am Körper kann man warlich ganz andere Tiefen mit viel längeren Grundzeiten betauchen und so kann ein einzelner Tauchgang dann auch schonmal 88 Minuten dauern, ohne dazwischen das Wasser verlassen zu müssen.
Grosser Nachteil ist leider das Gewicht - alleine die Doppeltanks und die Spezialgewichte bringen alleine 50-60 kg auf die Wage. Hat man dann noch einen Extratank an der Seite, eine Boje (für die Dekompressions-Stops) sowie 2 Tauchcomputer, eine Schreibtafel und ein 30m Seil am Körper, so kann die Ausrüstung dann doch schon mal leicht unübersichtlich werden und man waschelt mit ca. 70-75kg in Richtung Meer.

Klarer Vorteil ist dabei, dass man definitv der absolute Blickfang am Strand ist und das lebende Beispiel einer komprimierten Materialschlacht im Gummipanzer darstellt. Der wahre Genuss stellt sich dann jedoch sofort unter Wasser ein, sobald die grössere Dichte des Wassers die Schwere der Ausrüstung auf ein angenehmes Niveau reduziert.
Man geht dann natürlich nicht einfach nur tauchen, sondern es werden unter Wasser vielmehr spezielle "Skills"geübt, um in Notfallsituationen die richtigen Massnahmen zu ergreifen. Heute zu meiner praktischen Abschlussprüfung und zur finalen Brevetirung wurde ich nochmal so richtg auf Herz und Nieren geprüft:

Es ging los sich von der Oberfläche erstmal in weniger als 2,5 Minuten auf 43m fallen zu lassen und diese nicht zu unterschreiten (ansonsten durchgefallen!), danach folgten so kleine Spässe wie z.B:
-Tauchmasken mit seinem "Buddy" (Tauchpartner) hin und her zuwechseln;
-sein komplettes Equipment samt "Slingtank" (3. Tank an der Seite) abzulegen und wieder anzuziehen;
-seine eigenen Tanks vom Instructor zuschrauben zu lassen und selbst wieder das Ventil auf dem Ruecken zu öffnen;
-eine selbstabblasendes Ventil auf dem Rücken zu lokalisieren, dieses dann abzudrehen und auf den Ersatzregulator (2. Mundstück) zu wechseln;
-konsequent die Tiefen einzuhalten und nicht höher als maximal + - 1Meter zu tarieren;
-optimal die Boje in einer Tiefe von 12 Meter an die Oberfläche zu schiesen, ohne dabei selber mit hochgeschossen zu werden und zuguter Letzt
-NICHT auf die kleinen Gemeinheiten des Instructors reinzufallen (so wie ich beinah)
Zugegeben- der grösste Flash für mich war bei knapp 43m die Masken mit Simon zuwechseln bei geschlossenen Augen und keinerlei Kontrolle über die Auf- und Abstiegsgeschwindigkeit. Bei 10m Tiefe ist dies Peanuts, aber bei einem Druck von 5 bar, schlechten Sichtverhältnissen und keinen sichtbaren Grund unter seinen Flossen gehen einem da doch komische Dinge durch den Kopf!!!

Es lief aber alles glatt, keiner ist abgeschmiert und zum Dank gab's dann erstmal 'ne Banane auf 37m Tiefe(!). Warscheinlich fragt sich jetzt der ein oder andere wieder "HÄÄÄ" - ne Banane, aber es ist wirklich Teil der Prüfung gewesen unter Wasser das Atmen mit Kauen und Schlucken so koordinieren zu können, dass man die Tarierungskontrolle behält und vorallem weiter konstant atmet.

Wie gesagt - ein recht unterhaltsamer Tauchgang und als Krönung des Ganzen fanden wir auf knapp 35m eine noch voll funktionstüchtige Sony Digitalkamera im speziellen Unterwassergehäuse. Die Fotos, die damit geschossen wurden könnten glatt einen ganzen Themenabend füllen - eine kleine Auswahl gib's sobald das passende Downloadkabel organisiert wurde.

Jut - ich hoffe, ich hab' Euch alle nicht völlig mit Tauchtheorie überfordert und falls doch, dann gib's jetzt zum Abschluss noch ein paar recht gelungene Tauchfotos.
Das letzte stammt übrigends vom der Halloweenparty von unserem Manager und zeigt mich beim gemütlichen Kaufabschluss der nächsten zwei Ölraffinerien im mittleren Osten repräsentiert durch die örtlichen Beduinen. Und da man sich ja den Kulturen eines Landes anpassen sollte, hab' ich mich auch gleich ein wenig in Schale geschmissen - aber seht selber;-)
Sportliche Grüsse aus der Wüste und denkt alle an den 8.November, sonst gibt's was uff'n Latz!!!

der frischgebackene Tec-Diver

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