Mittwoch, 9. Mai 2007

und tschüss.....

Sat, 23 Sep 2006 20:39:01 +0200 (CEST)


Salamaleikum - meine Freunde!!!
Da diese Nachricht einige Leute erreichen werden, die bis dato noch keine Ahnung wo ich gerade bin und was ich so treibe - hier schnell ein kurzes Briefing:

Irgendwann an Anfang April hat es mich in den Fingern gejuckt mal wieder dem Heimatlande zu entfliehen. Nachdem ich als selbststaendiger Event-Master-of-Disaster noch einige Jobs bei NIKE, Berliner Pilsener und sogar bei der WM als Venue Dispatcher hinter mir gelassen habe, dachte ich mir es waere mal wieder an der Zeit meine Eltern zu schocken (Liebe Gruesse an meine Mutzen!!!) und bin am 21.09.06, also vor 3 Tagen mit all meinen Habsehligkeiten aus einer aufgeloesten Wohnung (Props nochmal an Basti - ohne Dich waere ich warscheinlich noch nicht mal aus der Muddastadt gekommen!) in den Flieger gestiegen mit Ziel Dahab, Aegypten. Dort habe ich die Moeglichkeit erhalten fuer mindestens 6 Monate im Hilton Resort die Tauchbasen in- und ausserhalb des Resorts zu managen und nebenbei meine Weiterbildung zum Dive-Master zu zertifizieren.
So - soviel zu dem Basics - jetzt zum spannenden Teil - meine Erfahrungen in den ersten 3 Tagen:

1.TAG:
Am Flughafen in Hannover (Berlin ging leider nicht) die letzte Pulle Jonny Walker eingekauft, da in Dahab kein starker Alkohol verkauft werden darf - wir sind ja schliesslich bei den Moslems und nicht bei den Bayern auf dem Oktoberfest (Gruss an die Maedels!!!)
Zu einer sehr unchristlichen Zeit gegen 5.15 Uhr ging dann mein Flieger Richtung Sharm-el-Sheikh und gegen 11.00 Uhr Ortszeit betrat ich zum ersten Mal aegyptischen Boden mit einem Gefuehl voelligen Schlafentzuges und Restalkohls von der Abschiedsparty im Sushi-Laden vor 2 Tagen.

Ich hatte mich zuvor schon ein wenig belesen und besonders das traditionelle Feilschen auf dem Maerkten wurde in jeder Lektuere ausfuehrlich betont. Kein Ding, dachte ich mir, schliesslich bin ich ja schon einiges aus Guatemala gewohnt gewesen, jedoch hatte ich nicht damit gerechnet gleich am Flughafen um meine Gepaeckwagen feilschen zu muessen. Da ich neben meinen privaten Dingen ja noch eine komplette Tauchausruestung sowie mein Trekking Bike dabei hatte bedurfte es mindestens 2 Transportmoeglichkeiten. Nach einem kurzen Wortgefecht mit einem uebermuedeten Deutsch-Englischen Akzent bekam ich nun meine verrosteten 4-Raeder und es ging zur Gepaeckband, wo die Fuelle meiner Mitbringsel schon ein wenig Aufsehen verurtsachte.

Das Wetter war traumhaft, als ich aus dem Flughafengebaeude trat - 29 Grad, keine Wolke weit und breit und mein Chauffeur war auch schon da. Gluecklicherweise hat Tom (mein Kontakt vor Ort) mir einen zuverlaessichen Taxifahrer organisiert und in einem modifizierten Peugeot der Marke "wollt-Ihr-wirklich-nicht-wissen" gings Richtung Dahab, ca. 80 km entfernt direkt zum Roten Meer.
Maramut, mein Fahrer war recht gespraechig und ich kam gleich in den Genuss aegyptischer Popmusik. Dieses kulturelles Erlebnis wurde jedoch gleich durch den ersten Polizei Checkpoint unterbunden und die Cops schienen sich rege an meinem grossen Karton zu interesieren, indem mein Bike steckte.
Gluecklicherweise kannte Maramut den Einsatzleiter wohl noch aus der Schule und so gings nach ein paar kurzen Diskussionen gleich weiter Richtung Fighting Kangaroo, mein Hostel fuer die naechsten 1-2 Wochen.

Nach knapp einer Stunde und etlichen chillenden Kamelen unter den spaerlich verbreitenden Palmenstraeuchern, war ich am Ziel meiner Reise endlich angelangt.
Kurzes Briefing von Tom, der mir meine Bleibe zeigte und mich den wichtigsten Leuten vor Ort vorstellte. Vivien, die Leiterin in der Tauchbasis Sinai Divers Backpacker nahm sich gleich meiner an und organisierte mein EFR-Kurs (Emergency First Response) bereits fur den naechsten Tag. Jut - bis dato alles Sutsche - jedoch hatte ich bis dato noch nicht meine Behausung gesehen und die hatte es echt in sich. Viel Auswahl gab's leider nicht und zum Glueck hatte Tom noch ein Zimmer von knappe 12 qm fuer mich reservieren koennen. Dusche und Klo gibts jeweils etagenweise und die "Gemeinschaftskuecke" steht ausserhalb umringt von Palmen und orientalischen Gebetsdecken.

Ich also mit Koffer, Rucksack, Tauchgepaeck und Bike ab in den 1. Stock und erstmal Klimaanlage angeschaltet. Nach einer kurzen Besinnungspause von einer halben Stunde, das checken meines Bikes und der Frage, ob ich eigentlich wusste, worauf ich mich hier eingelassen habe, gings Richtung Terasse wo ich erstmal Kontakte mit einigen Backpackern und Beduinen schloss. Der erste Typ, der mir ins Auge viel heisst GUY - ein halbes Drogenopfer aus den Iowa, U.S.A der anscheinend schon seit 5 Jahren um den Globus gurgt, um nach dem Sinn des Lebens zu suchen. Jamal (nicht der NN aus Berlin) ist der Inhaber der ganzen Huette und bat mir erstmal einen starken Schwarztee an, den ich auch dringend noetig hatte.

Ich besorgte mir noch schnell Trinkwasser, ein paar Datteln, die einem heir praktisch hinterhergeschmissen werden und checkte die sanitaeren Anlagen und zu meiner Ueberraschung gab es nichts zu beanstanden.
So ging der erste Tag fuer mich zuende, denn als ich zurueck ins Zimmer kam und mich auf Bett legte, bin ich warscheinlich in binnen von Sekunden eingeschlafen - so uebermuedet war mein Koerper gewesen. Lediglich kurz vor Mitternacht spuerte ich nochmal einen starken Drang nach Fluessigkeit, fuer de ich gluecklicherweise vorgesorgt hatte.

2. TAG:
Gegen 9 Uhr ging mein Kurs los. Guenstigerweise bemerkte ich noch am Abend zuvor, dass in der Nacht die Sommerzeit auf Winterzeit umgestellt wurde und ich konnte noch 'ne Stunde laenger pennen. Der Tag mit meiner EFR-Instructorin Vivien war recht unterhaltsam und meine Englischkenntnisse wurden gleich voll gefordert, da sie naemlich gebuertige Kanadierin ist und ein Wort Deutsch versteht. Nichtdestotrotz lief ales supi - saemtliche Sofortrettungsmassnahmen erlernte ich binnen Minuten und den Abschlusstest bestand ich mit Bravour.

Zur Mittagszeit galt es dann erstmal der arabischen Sprache Aufmerksamkeit zu schenken und Ibrahim, der Manager eines Fisch-Restaurantes nahm sich gleich meiner an, da zu der Zeit all seine Kollegen in der Moschee beim beten waren und er den Laden alleine schmiss. Zwar spreche ich mittlerweile 4 Sprachen mehr oder weniger fliessend, aber Arabisch hat nochmal einen ganz anderen Reiz, den es gilt zu entdecken und so habe ich mir vorgenommen jeden Tag 3-5 neue Woerter zu lernen, um gegen Ende meines Abenteuers mich einigermassen verstaendigen zu koennen. Da parallel ja noch meine Ausbildung zum Rescue bzw. Dive-Master laeuft, sind die Anforderung doch hoch gesteckt. Mal schaun, ob ich sie umsetzen kann.
Gegen Abend lernte ich dann zu meiner Freude noch 3 Schweizerinnen kennen, die hier Ihren Urlaub verbringen. Da sie ebenso schlau waren und sich vor dem Flug noch mit Hochprozentigen eingedeckt haben, gings gleich erstmal an den frisch gekuehlten Bacardi, welcher den Abend mehr als angenehm machte. Bis dato hab ich die trockene Hitze und die agressive Sonne gut verkraftet, allerdings waren gegen kurz vor 22 Uhr meine koerperlichen Energien am Ende und so pennte ich auf einen der Beduinenmatrazen ein. Zwar wollten die Maedels mit mir noch Party machen, aber ich musste mich den Tausend und einem Stern am Himmel ruecksichtslos hingeben und kuesste erst wieder am naechsten Morgen das Licht der Welt...

3. Tag:
Erstmal ausschlafen...................................................................................
Nach fast 13 Stunden Schlaf war ich endlich wieder Fit wie'n Turnschuh und es ging vor dem Fruehstueck gleich ins Wasser. Um nicht zuweit zu laufen gings gleich zum Hausriff bzw. zu den etlichen Hausriffspassagen, da ich an einer Strandzunge wohne, welche sich ueber 2 km weit ersteckt und voller Lagunen ist. Unterwegs wieder einige Kontakte zu den einheimischen Haendlern gemacht und mich so gut es ging als Nicht-Touristen ausgewiesen, um nicht mit allmoeglichen Ramsch bezirsst zu werden.
Die Lagunen sind traumhaft schoen und ich hatte das Glueck, gleich beim ersten Tauchgang zwei sich paarende Skorpionfische zu sichten, die sich von mir nicht zu stoeren schienen. Obwohl Dahab am Sinai und somit am Roten Meer liegt ist die Wassertemperatur ab 3m Tiefe doch schon recht frisch und ich bin froh meinen 7mm Halbtrockenen dabei zu haben. Das Panorama unter Wasser ist jedenfalls unglaublich und ich kann jeden nur raten hier mindestens einaml; getaucht zu haben.

Da ich heute mehr oder weniger frei hatte, nahm ich am Nachmittag mein Bike und fuhr durch die Stadt, um mich besser orientieren zu koennen. Die Einheimischen hier leben meistens in einfachen Ziegelhaeusern mit ihren Ziegen und Kameln. Jeder scheint mich zu akzeptieren und ueberhaupt ist mir aufgefallen wie freundlich und zuvorkommen die Araber mit Touristen umgehen. Von den Bombenanschlag vor ueber einem halben Jahr ist jedenfalls nichts mehr zu bemerken und ich hoffe, das bleibt auch so...
Als ich die Stadt per Bike verliess und am naechsten Polizei Checkpoint wieder neugierige Blicke erntete kam ich kurze Zeit spaeter in die wirklich erste ernste Situation (meine Mutter wird mir jetzt wohl den Hals umdrehen, aber keine Bange mir geht's gut!!!). Am Berghang kurz vor dem naechsten Dorf erspaehte ich ein Rudel Kojoten, vielleicht auch Wildhunde - jedenfalls nahmen sie sofort meine Witterung auf und fletschten die Zaehne. Diese Art von Begruessung lies mich dann von meiner eigentlichen Route abkommen und als ca. Sieben bellend auf mich zurannten machte ich meinen 180. und fluechtete mit einem guten Schuss Adrenalin zurueck zum Checkpoint. Dort vorbei kuemmerten sich die Polizisten um den Rest bzw. die Koeter erkannten Ihre Reviergrenze. Nochmal unverletzt davon gekommen beschloss ich mich nur noch fuer den Rest des Tages an der Strandpromenade aufzuhalten - schliesslich beginnt morgen mein erster Bootstauchgang weit oben im Norden.


So - soweit meine ersten persoenlichen Eindruecke aus jeder Stadt, der ich fuer die naechsten 6 Monate mein Zuhause schimpfen werde. Wer auch immer von Euch fuer mindestens eine Woche Zeit hat und die Faszination des Tauchens einmal hautnah miterleben moechte, dem kann ich nur raten hier mal vorbeizuschauen. Dahab ist aud jeden Fall eine Reise wert. Mein Flug gab's schon fuer 129 Euro und meine momentane Bleibe kostet knappe 4 Euro pro Nacht. Wer kommen will soll mir bescheid geben und ich organisiere die Uebernachtung - entweder sehr rustikal aber authethisch im Flying Kangaroo oder auch ein wenig vornehmer im Hilton!
Wer mir auf dem altmodischen Wege doch den ein oder anderen Gruss zukommen lassen moechte - hier die Adresse:

Sinai Divers Dahab
Hilton Dahab
c\o Stefan Semmler
Dahab, Egypt
In Shalah
Euer Stefan

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